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Heimat im Glauben - Markus Kirchmeyer über sein Gottvertrauen, kulinarische Vorlieben und seine Sicht auf das Leben

Wie könnte es anders sein? Nomen est omen – im Nachnamen von Markus Kirchmeyer ist ja schon enthalten, dass der 44-Jährige eine enge Verbindung zur Kirche zu pflegen scheint. "Ja, die Kirche ist meine Heimat", bestätigt der neue Pfarrer von Hacklberg und strahlt übers ganze Gesicht. Das war sie schon von Kind auf. Kein Wunder, ist er doch im Schatten der wunderbaren Barock-Basilika von Altenmarkt aufgewachsen. Bei den Klosterschwestern im Damenstift sang er im Kinderchor, war Ministrant, später in der Landjugend, machte Kirchenführungen und greift bis heute noch gerne in die Tasten der Kirchenorgel.

Trotzdem: Was die berufliche Laufbahn angeht, hat er sich nicht schnurstracks für das Priesteramt entschieden. Zunächst lernte er Elektroinstallateur. Doch nachdem er den Gesellenbrief in der Tasche hatte, entschloss er sich fürs Spätberufenenseminar. Das war 1994, erinnert sich Kirchmeyer. 1999 holte er das Abitur nach und begann in Passau Theologie zu studieren. Ein Berufungserlebnis gab es nicht, das die Wende brachte. "Ich hatte einfach das Gefühl, dass der Priesterberuf für mich der richtige ist", sagt er mit dem Brustton der Überzeugung.

2005 wurde er im Dom zum Priester geweiht. Nach Stationen in Grafenau, Wegscheid, St. Anton/St.Peter in Passau und Vilshofen kehrte er 2012 als Schulseelsorger der Gisela-Schulen Niedernburg nach Passau zurück und bekam zugleich als Pfarradministrator die Pfarrei Schalding l.d.Donau übertragen.

Vergangenen Sonntag war ein großer Tag für ihn, die feierliche Installation als Pfarrer von St. Konrad in Hacklberg. Auf einen Schlag hat er nun drei Pfarreien und insgesamt ca. 5000 Gläubige zu betreuen. Eine große Verantwortung und viel Arbeit. "Sicherlich", sagt er, "aber ich habe mich ja schließlich auf die Stelle beworben." Immerhin: Die ihm anvertrauten "Schäfchen" aus Schalding l.d.D. verlieren ihren Oberhirten nicht, denn gemeinsam mit St. Korona und Hacklberg bilden sie ab sofort den neuen Pfarrverband.

Klar, dass die Schaldinger anfangs vor den Kopf gestoßen waren. "Ich schaute in Gesichter mit Fragezeichen, als ich Anfang Dezember vermeldet habe, dass ich künftig nicht mehr für sie alleine zuständig sein würde." Vor allem, dass Markus Kirchmeyer im Sommer, wenn das Pfarrhaus in Hacklberg fertig umgebaut ist, aus Schalding wegziehen wird, schmerzt die kleine Gemeinde. Aber Kirchmeyer ist überzeugt, dass letztendlich alle von einem größeren Verbund profitieren werden. "Das Angebot wird vielfältiger", sagt er, der künftig nicht mehr als Einzelkämpfer agieren, sondern neben Pater Benedikt aus Indonesien ab März einen indischen Geistlichen zur pastoralen Unterstützung bekommt.

Auch wenn er die Hacklberger erst kennenlernen muss, ist er sicher: "Es läuft." Gottvertrauen ist es, was ihn sein ganzes Leben begleitet. Das anderen Menschen zu vermitteln, ist ihm ein Kernanliegen. Deshalb ist ihm auch die Schule so wichtig. "Ich werde zwar am September die Stundenzahl verringern – im Moment habe ich acht Klassen – aber der Bischof wünscht, dass ich in der Schule die Jugendarbeit weiter betreibe und mein Priesterbild vermittle. Ich will den jungen Leuten verdeutlichen, dass der Glaube nicht niederdrückt, sondern durchaus etwas Befreiendes hat und für fröhliche Menschen, die im Leben stehen, gedacht ist."

Missbrauchsfälle, Kirchenaustritte – Themen, die den jungen Menschen nicht so auf den Nägeln brennen. Viel größer ist das Interesse an der Lebensform des Priesters, hat er festgestellt. Wenn man den Mann mit dem modischen Undercut, dem akkurat gepflegten Bärtchen, der perfekt sitzenden schwarzumrandeten Brille und dem stilvollen Outfit in tailliert geschnittenem Mantel gegenübertritt, würde man nicht annehmen, dass er katholischer Geistlicher ist. "Warum ich bewusst alleine lebe, das ist eine Frage, die alle Klassen interessiert", berichtet Kirchmeyer.

Sicherlich habe er als Teenager Freundinnen gehabt, gibt er unumwunden zu und ein Lächeln huscht über sein Gesicht. Aber Anfang 20 habe er sich anders entschieden, dass er so leben wolle und könne wie jetzt. "Ich brauche Momente, wo ich bewusst alleine bin", betont er. Gefragt nach seinem Lebensmotto, muss er keine Sekunde überlegen: "Denn einen anderen Grund kann niemand legen, als den, der gelegt ist: Jesus Christus (1Kor 3,11)", zitiert er seinen Primizspruch.

Bedenken, dass er den falschen Weg eingeschlagen haben könnte, hat er keine. "Ich zweifle nie. Für mich war das die richtige Entscheidung", bestätigt er und ergänzt: Der Herrgott macht’s schon richtig." Als Vergleich nennt er ein Blatt, das im Bach treibt. "Das Blatt kommt dorthin, wo es hin soll."

Freilich, als ihn harte Schicksalsschläge trafen – der Tod seiner Mutter vor zwei Jahren und vier Monate darauf der seinen Vaters – kam auch der Gottesmann ins Grübeln. "Da ist die Gefahr groß, dass man mitstirbt", gibt er zu. Auch für ihn stellte sich die unausweichliche Frage nach dem Warum.

Er habe das auch mit den Schülerinnen besprochen, die großen Anteil nahmen. Aber Markus Kirchmeyer sieht gerade in solchen Ausnahmesituationen im Glauben Halt und Stärke. "Das ist das Fundament, das Kraft gibt. Mit dem Glauben und der Hoffnung ist es leichter, den Weg aus der Trauer herauszufinden", ist er überzeugt. Selbst für die Frage nach dem Warum hat er eine interessante Antwort gefunden: "Wenn wir Gott eines Tages nach dem Warum fragen können, wird es uns nicht mehr interessieren, weil die Frage dann keine Rolle mehr spielt und wir dann dort sind, wo die anderen eh schon sind."

Heimat im Glauben, das ist was Markus Kirchmeyer trägt. Da ist es egal, ob er in Wegscheid oder in Passau lebt. "Heimat ist für mich immer dort, wo ich gerade bin", sagt er. Dass er sich nach der barocken Asam-Basilika seiner Kindheit nun mit der sehr modernen und eher nüchternen St. Konrad-Kirche in Hacklberg anfreunden muss, auch das ist für ihn kein Problem. Sein Vater hatte damals, als er nach Wegscheid in eine moderne Kirche gekommen war, gesagt: "Kirche, das ist ein Kreuz, ein Tabernakel und eine Muttergottes, mehr braucht es nicht." Dieser Satz habe bei Markus Kirchmeyer eine Initialzündung ausgelöst. "Er hat Recht, es braucht keinen barocken Engel und nicht das Bild an der Decke oben. Kirche ist unser Versammlungsort, man muss mit dem Gottesdienst, mit der Gemeinschaft die Kirche mit Leben erfüllen."

Und wenn er mal nicht im Dienst der Kirche unterwegs ist? Dann steht die Musik im Mittelpunkt. Bis vor kurzem verstärkte er die Musikfreunde Passau mit seiner Tenor-Stimme, jetzt, wegen des beruflichen Wechsels musste er vorübergehend etwas kürzer treten. Aber die klassische Musik ist und bleibt sein Hobby. "Dafür fahre ich auch gerne mal nach München in ein Konzert."

Auch sportlich betätigt sich der 44-Jährige, er zieht seine Bahnen im Hallenbad und geht regelmäßig walken. "Denn ich liebe gutes Essen", seufzt er und streift sich über den Bauch. Vor allem die italienische Küche hat es ihm angetan. Na ja, ein bisschen bayrisch und deftig darf es manchmal auch sein.

Als seine Mutter erfuhr, dass er Pfarrer werden wolle, hat sie dafür gesorgt, dass der Sohnemann die Standards der Kirchmeyerschen Kochkunst beherrscht. "Dass da Bua alloa überlebt", hat sie gemeint und ihm beigebracht, wie man Kartoffelsalat und Knödel macht. "Ich schaue heute noch in das Notizbüchlein, in dem ich die Rezepte aufgeschrieben habe und bringe es annähernd so hin, wie es bei Mama geschmeckt hat", sagt er nicht ohne Stolz. Denn wenn Markus Kirchmeyer nicht gerade mit Kollegen oder Bekannten zum Essen geht oder eingeladen ist, steht er selbst am Herd. Pfarrersköchin? "Nein, die gibt es nicht", winkt er ab."Ich habe nur eine Zugehfrau." Ein durch und durch moderner Pfarrer halt.

Elke Fischer in der PNP Passau vom 13.02.2019




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